David Nicholls, Ewig Zweiter

David Nicholls, Ewig Zweiter

Stephen McQueen, ein zweitklassiger Schauspieler, leidet nicht nur unter der Namensgleichheit mit einem berühmteren Kollegen, sondern auch unter der Tatsache, dass er hauptsächlich für Leichen besetzt wird. In einer erfolgreichen Theaterproduktion ist er immerhin Zweitbesetzung für den Shooting-Star der Szene, Josh Harper. Dieser, ein Star-Egomane wie aus dem Drehbuch, benutzt den naiven Steve als Deckung für seine zahlreichen Affären. Unpraktischerweise verliebt sich die Zweitbesetzung in die Gattin des Stars. Dramen bahnen sich an…

Dreiviertel des Buches steht man Kopf vor Lachen, dann wird’s kurz sehr traurig, bevor Nicholls den Leser in ein sanftes Happy-End entlässt. Grosses Kino.

Sven Eric Bechtolf, Vorabend

Sven Eric Bechtolf,  Vorabend

Bevor Bechtolf seine vielbeachtete „Walküre“- Inszenierung an der Wiener Staatsoper anging, war mit „Rheingold“ der Vorabend des „Rings“ dran. Von dieser seiner ersten Opernregie-Erfahrung handelt auch sein Debut als Autor. Die Auseinandersetzung mit dem „erotomanen Anarchisten“ Wagner verknüpft er dabei geschickt mit Erinnerungen an seine Kindheit – in einer Sprache, die oft an Thomas Bernhard erinnert, aber genug persönliche Note enthält.

Ein großes Lese-Vergnügen nicht nur für Opernfans.

Kari Hotakainen, Die Leichtsinnigen

Kari Hotakainen, Die Leichtsinnigen

Mokka ist der Verhörspezialist der Polizei von Helsinki. Menschen, die nicht lügen, findet er langweilig. Deswegen gefällt ihm die Verdächtige Leila Korhonen auch so gut. Dass er sich allerdings in sie verliebt, geht ihm zu weit und passt nicht in seine Lebensplanung. Ein herrlich patscherter Liebesreigen hebt an, wie ihn nur die Finnen beschreiben können. Wer Filme von Kaurismäki mag, muss Hotakainen lesen. Die anderen auch.

Jonathan Tropper, Mein fast perfektes Leben

Jonathan Tropper, Mein fast perfektes Leben

Doug Parker ist Schreiber einer sehr erfolgreichen Zeitungskolumne, die zum Inhalt hat, dass er seit einem Jahr Witwer ist. Seit einem Jahr ist das auch das einzige Thema, mit dem er sich befasst, dabei brennt es in seinem an allen Fronten: seine Schwester wird schwanger und verlässt ihren Mann, sein halbwüchsiger Stiefsohn verarbeitet den Verlust der Mutter auf seine eigene rabaukenhafte Weise und jede Hausfrau der Strasse ist hinter dem traurigen Jungwitwer her. So stolpert Doug von einer Peinlichkeit in die nächste, bis ihn seine reichlich skurrile Familie aus dem Gröbsten herausgeschubst hat…

Sehr vergnügliche „Dramödie“ – speziell für Nick-Hornby-Fans empfehlenswert!

Thomas Glavinic, Das bin doch ich!

Thomas Glavinic, Das bin doch ich!

Der Autor Thomas Glavinic ist zu Beginn dieses Buches völlig durch den Wind, weil er noch keinen Verlag für sein neues Buch hat, dafür einen Freund Kehlmann, der ihm täglich SMSe mit seinen neuen Verkaufszahlen („180.000!“) sendet.

In der Folge stolpert der soziophobische Erzähler von einer Panne in die andere, trinkt mehr, als ihm gut tut und erzählt dem Leser einiges über bekannte Leute, was man so gar nicht wissen wollte.

So schlimm es werden kann, wenn Autoren ihre Befindlichkeiten ausbreiten, so zum Schreien komisch ist es hier – selten so gelacht!